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Aus der Geschichte von Schwanden (von Rolf Kamm)
Die Anfänge unseres Dorfes verlieren sich im Dunkel der Geschichte. Aus dieser frühen Zeit fehlen schriftliche Quellen oder archäologische Funde. Dagegen kommen uns Fluss- und Flurnamen zu Hilfe, die lateinischen oder germanischen Ursprungs sind. Wahrscheinlich verdanken wir den Alemannen den Namen unseres Dorfes, der vom althochdeutschen "swanta", was so viel heisst wie "zum verschwinden bringen", stammen könnte. Ähnlich wie die Namen der Dorfteile Rüti oder Grüt geht der Name "Schwanden" auf das Waldroden zurück.
Um 1300 wird im Habsburger Urbar zum ersten mal ein Weiler im Glarnerland mit diesem Namen bezeichnet. Die Burgen Bänzigen und Sola waren um diese Zeit bereits verlassen. Möglicherweise war auch die adlige Familie von Schwanden im 13. und 14. Jahrhundert glarnmerischen Ursprungs.
Zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert brachten irische Mönche das Christentum ins Glarnerland. Vorerst gab es nur eine Kirche in Glarus. 1349 wurde auch in Schwanden eine Kirche gebaut. Zum ersten Mal tritt hier eine Art Schwander Gemeinde mit ihren Vorstehern in Erscheinung. Die Kirche steht heute noch am gleichen Ort, wurde aber mehrmals erweitert und renoviert - letztmals 1950. Unmittelbar südlich der Kirche muss der ursprüngliche Dorfkern gelegen haben. Davon ist heute fast nichts mehr zu sehen. Der älteste Blockbau der Gemeinde und des Kantons aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit prächtigen Wandmalereien konnte allerdings erhalten werden und ist heute im Rysläuferhuus an der Landsgemeindehoschet zu bewundern.
Die Viehwirtschaft gewann nach 1400 zunehmend an Bedeutung. Pferde und Kühe wurden auch in Schwanden gezüchtet und nach Italien oder Zürich verkauft. Zahlreiche grosse Steinhäuser zeugen vom Reichtum, den der Handel mit der weiten Welt der neuen Schwander Oberschicht des ausgehenden Mittelalters brachte: Das Rothaus (erste Hälfte 16. Jahrhundert), das Hoschethaus (1545), das Obere Blumerhaus (1558) oder das Turehuus (1561). In die gleiche Zeit fällt auch das Entstehen glarnerischer Staatlichkeit, das Land Glarus entstand.
Neben dem Viehhandel spielten auch die Produktion und der Export von Waffen, der Handel mit Tee oder Ziger und vor allem die fremden Kriegsdienste eine wichtige Rolle für das Dorf, das auch recht häufig Tagungsort der Glarner Landsgemeinde war. Bis ins 18. Jahrhunder war der Garten- und Ackerbau für den grossen Teil der Bevölkerung aber immer noch von lebenswichtiger Bedeutung.
Im Zuge der Reformation schlossen sich die meisten Schwander dem neuen Glauben an. Die Glaubensspaltung führte zu vielen Spannungen im Land, war aber nie absolut und schuf auch keine neuen Grenzen. In vielen Fragen der Wirtschaft, Kultur und Politik fanden die herrschenden Familien immer wieder zusammen, ohne, dass der Glaube eine allzu grosse Rolle gespielt hätte.
Von 1623 bis 1837 gab es drei Landsgemeinden. Eine katholische in Näfels oder Netstal, eine gemeinsame in Glarus, und eine reformierte in Schwanden. Es wurden auch nach Konfession getrennte Räte und Gerichte gebildet, und sogar die Post wurde Katholiken und Protestanten getrennt zugestellt. Zeugen dieser konfessionellen Auseinandersetzungen sind der 1756 erbaute evangelische Pulverturm und, als Erinnerung an die Landsgemeinden in Schwanden, ein Brunnen, der einen Mann zeigt, der den Eid ablegt, auf der Landsgemeindehoschet vor dem Rysläuferhuus.
Im 16. und 17. Jahrhundert brach in Schwanden dreimal die Pest aus und raffte fast die Hälfte der Bevölkerung dahin. Bis ins 19. Jahrhundert blieb auch der Hunger eine ständige Bedrohung.
Nach 1798 wurde das Glarnerland zum Kriegsschauplatz. Frankreich hielt die Schweiz besetzt, während Russen und Österreicher versuchten die Franzosen zu vertreiben. Bis zu 40'000 Mann fremde Truppen konnte das Glarnerland nicht verkraften, Hunger und Entbehrung waren die Folgen. In Schwanden und Sool lieferten sich die zurückziehenden Russen und Österreicher unter General Suworow zudem heftige Kämpfe mit den nachstossenden Franzosen.
Den Schrecken des Krieges folgte eine Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs. Das Glarner Wirtschaftswunder machte den Kanton zu einem der meist industrialisierten Gebiete der Schweiz. Die neue, liberale Verfassung von 1836 beendete die konfessionelle Landesteilung und brachte die Demokratie, mindestens für die Männer, ins Glarnerland.
Die Industrialisierung hatte auch ihre Schattenseiten. Die Löhne waren niedrig, die Arbeitszeiten zu lang, und selbst Kinder mussten in den Fabriken mitarbeiten. 1863 wurde in Schwanden ein Arbeiterverein gegründet, und 1864 entstand in unserem Dorf einer der ersten Konsumvereine der Schweiz. An der Landsgemeinde desselben Jahres wurde ein Fabrikgesetz beschlossen, welches die Arbeitsbedingungen in den Fabriken stark verbesserte, und dem Landsgemeindekanton Glarus eine Vorreiterrolle in der Sozialgesetzgebung gab.
Viele Arbeiter betätigten sich auch als Kleinstlandwirte. Das Quartier im Grund zeigt noch heute die damals enge Verflechtung von Arbeitersiedlungen mit Kleinviehhaltung und Gartenbau. Dies milderte soziale Gegensätze, wie sie in den Städten bestanden. Bis zum Zweiten Weltkrieg behielt die Soziale Frage aber ihre Sprengkraft. Der Schwander Arbeiter Verein gehörte zur Ersten Internationalen, die die Diktatur des Proletariats forderte. Nach dem Generalstreik 1918 verstärkte sich der Klassenkampf, was unter anderem auch zum entstehen faschistischer Bewegungen führte. In Schwanden entstand 1933 eine Ortsgruppe der Nationalen Front.
Zu den bedeutendsten Schwandern gehört zweifellos Eduard Blumer (1848-1925). Der Landammann, National- und Ständerat stand 38 Jahre lang an der Spitze des Kantons. Die kantonale Invalidenversicherung gilt als sein Kind. Ein Gedenkstein im Thonerhof, oberhalb des Kindergartens, wo früher sein Haus stand, erinnert an die Verdienste des Staatsmannes.
Ab 1870 gewannen andere Industriezweige als die dominierende Textilindustrie an Bedeutung. 1907 wurde die Elekrtomaschinen-Fabrik Therma AG gegründet, die während des Zweiten Weltkriegs einen enormen Aufschwung erlebte. Die bemerkenswerte Fabrik-Architektur der Therma gab Schwanden fast städtisches Aussehen. Ein weiteres sichtbares Zeichen dieser Entwicklung ist das Industriegebiet Tschachen aus den 1970er Jahren, das auf private Initiative zurückgeht.
Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg hat das Dorfbild Schwandens stark verändert. An vielen Orten konnte das Dorf seinen urspünglichen Charakter aber bewahren, den speziellen Charakter eines Glarner Industriedorfes.
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